Alexandra Flemming – Autorin
Statement von Alexandra Flemming, Autorin des Büchleins „Bruno Taubendödel“ :
Die Zeiten für die Kinder von heute sind nicht einfach. Die Medien tun alles dafür, um das unbewusste Verlangen nach Aktivierung niedriger Instinkte zu bedienen.
Wer sich anständig und respektvoll benimmt – wen interessiert das?
Nur wer unangenehm auffällt hat scheinbar eine Chance. Wer den Mut hat, andere real abzuprügeln oder abzuknallen, kommt ins TV. Weniger Mutige legitimieren sich mittels öffentlichen Auslebens sexueller Ausschweifungen. Politikerlügen und hinterrücke Machenschaften von Topmanagern finden sich zuhauf in den Archiven als Zeitzeugnisse, doch das eindeutige Signal – es ist legitim und wird nicht bestraft. Koksende, magersüchtige Models werden von der Branche nicht gemieden, sondern mit satten Verträgen bestückt. Hartz IV-Empfänger fühlen sich als kleine Stars, wenn sie in einschlägigen Mittagstalkrunden für peinliches Schäm-TV sorgen. Ehekrisen von Prominenten werden öffentlich ausgelebt usw. usw.
„Biene Maja“ und „Heidi“ sind völlig out, es müssen die Wilden Kerle sein, die vor Publikum die nackten Hintern zeigen. In der Grundschule sind Bücher Pflichtlektüre, z.B. wo ein Mädchen einen Elefanten befreit, und sich mit ihm auf den Weg nach Afrika macht, in Parklücken übernachtet etc.
Muss ich Pädagogin sein, um zu sehen, dass solche Literatur pädagogisch unklug ist oder sehe ich das eben gerade darum, weil ich keine bin? Auf jeden Fall bin ich Mutter. Und als Mutter bin ich nicht die Freundin meiner Kinder. Als Mutter lackiere ich mir nicht mit meiner nicht mal 10jährigen Tochter zusammen die Nägel, ich kaufe ihr auch keine Playboy-Klamotten oder Schminke. Als Mutter will ich keine Lolita, sondern eine Tochter, die mit ihren Freunden und Haustieren spielt und ihrem Alter gemäß eine heile kleine Welt leben darf.
Als Mutter weise ich mein Kind in die Schranken, wenn es pubertär wird und versucht, Grenzen zu überschreiten. Ein „nein“ darf auch einfach mal nur ein „nein“ sein, ohne Angabe von Gründen.
Kinder dürfen heute nicht nur, sie müssen schon viele Entscheidungen treffen, zu denen sie noch gar nicht die Reife haben, von der sie aber glauben diese zu haben. Und von der viele Erwachsenen meinen, diesen Freiraum gewähren zu müssen. Der Wunsch, den eigenen Willen durchzusetzen reift früh und viele Eltern lassen diesem Willen freien Lauf und trügen sich selbst, weil sie meinen, dadurch ein glücklicheres Kind zu bekommen.
Wir Menschen gehören zur Gattung Tier, darum ein tierisches Beispiel. Wir wissen, dass wir einen Hund sehr lange an der Leine FÜHREN müssen mit sehr viel Konsequenz, wenn wir wollen, dass er im Freilauf keine Gefahr wird oder selbst gefährdet ist.
Wir lieben es im Zoo zuzusehen, wie das Äffchen sich stets an die Mutter klammert und nehmen wahr, wie es von anderen gemaßregelt wird, wenn es über die Strenge schlägt.
Die Affenmama würde sich nicht beklagen, denn sie merkt, dass sie mehr tun und ihr Kind selbst in die Schranken weisen muss, es ist sogar zu bemerken, dass es ihr peinlich ist, dass ihr Kind sich nicht korrekt verhalten hat.
Unsere eigenen Kinder lassen wir nicht nur von Fremden betreuen, sondern erwarten in einem hohen Maß, dass KindergärtnerInnen und Lehrkräfte diese auch ERZIEHEN.
Richtig ist aber, dass Kinder von den Eltern erfahren müssen, was recht ist und was nicht.
Wir sind heute so vielen Anforderungen gegenübergestellt, denen wir begegnen müssen, dass wir Gefahr laufen, die Kinder im Rahmen der gewährten Freiheiten aus den Augen zu verlieren und somit versiegt allmählich die Autorität.
Telefon, Handy, TV, DVD, Internet – die Welt rauscht. Reizüberflutung. Erwachsene, die mit den Möglichkeiten nicht mehr klar kommen – wie sollen dies die Kinder?
Schulden, Insolvenzen durch Kaufrausch. Eltern, die selbst der Angebotsvielfalt nicht widerstehen können – wie prägt das die Kinder?
Eltern haben die Aufgabe zum Wohl ihrer Kinder Entscheidungen zu treffen und nicht nach deren Willen. Wenn es sich deckt, gut. Wenn nicht, erfordert es Kraft, Zeit und Nerven, aber wir müssen uns an dem, was gut und richtig ist, orientieren, mit Konsequenz und der nötigen Härte, dann werden wir auch noch an den Kindeskindern Freude haben.
Wenn die Leute, die unser Land regieren, die in Film und Fernsehen agieren, die Spiele kreieren, ihren Aufgaben und ohne kriminelle Energie ihrer Vorbildwirkung nachkommen, dann klappts auch wieder in unserer Gesellschaft – nicht nur mit den Kindern, sondern auch deren Eltern!